Personalia
Verabschiedung von Hansjörg Hausen
Von: Rhein-Zeitung Erstellt am Mittwoch, 28. Dezember 2005 um 23:30
Ein Abschied, der allen am RWG schwerfiel
Studiendirektor Hansjörg Hausen jetzt im Ruhestand: Pädagoge, guter Geist und Mädchen für alles
NEUWIED. Einen wie Hansjörg Hausen ziehen zulassen - lassen zu müssen -, das fällt erwartungsgemäß nicht leicht. Nach mehr als 30 Dienstjahren am Rhein-Wied-Gymnasium (RWG) gilt diese Feststellung aber auch umgekehrt: Auch Hansjörg Hausen ist der Abschied von "seiner" Schule nicht leicht gefallen. Am Freitag haben das Gymnasium und der stellvertretende Schulleiter einander bei einer Feierstunde in der Aula Lebewohl gesagt.
Mit Hansjörg Hausen wurde, wie Landrat Kaul es nannte, der "gute Geist des RWG" in den Ruhestand versetzt. Ein kompetenter Ansprechpartner sei Hausen gewesen, einer, der vehement aber auch kompromissbereit für die Belange seiner Schule und seiner Schüler gekämpft habe.
Nicht nur Kaul wollte gratulieren. "Ich habe Sie immer als humvorvollen Humanisten geschätzt", bescheinigte einer der vielen, die gekommen waren um zu sehen, ob der nimmermüde Pädagoge nun tatsächlich in den Ruhestand gehen würde, oder ob sich daran vielleicht noch etwas ändern ließe. RWG-Schulleiter Martin Graß würdigte seine Nummer zwei als "Moderator und Motor dieser Schule - und so vieles mehr".
Die Schüler nutzten den Abschied zu einem Blick zurück ganz ohne Zorn, denn wenn auch Hausen auf den Schulfluren für Ordnung gesorgt hatte - in seinem Büro stand doch immer die Keksdose mit zuckersüßen Trostpflastem. Oft brannte noch spät nachts das Licht im RWG. Das war dann Hansjörg Hausen, der immer noch arbeitete. Mit der finanziellen Ausstattung der Schule war der Studiendirektor befasst, auch mit der schwierigen Organisation von Stunden- und Vertretungsplänen. Ein Wunder fast, dass ihm noch Zeit und Muße blieben, selbst zu unterrichten - und Kollegium, Elternschaft und Schüler menschlich zu verbinden. Bei einer Klassenfahrt nach Pompeji soll er sogar das Kunststück vollbracht haben, seme Schüler vor dem Misstrauen der italienischen Polizei zu retten. Oder doch aus den Klauen der Mafia?
Überwältigt von den Glückwünschen, vom Humor aber keineswegs verlassen, bedankte sich Hansjörg Hausen schließlich selbst. Die Zeit am Rhein-Wied-Gymnasium sei reich gewesen und täglich voller Überraschungen. "Ich wäre gerne noch ein paar Jahre länger geblieben. Wenn ich die Schule jetzt verlasse, dann bestimmt nicht freudig. Ich muss es mit Tapferkeit tun", gestand er. Und dass er dabei keineswegs übertrieb, war ihm anzusehen.
Am Ende eines ideenreichen, musikalischen Festaktes war es dann amtlich: Hansjörg Hausens Weg in den Ruhestand ist unumkehrbar. Auch die List seiner Sekretärinnen konnte daran nichts mehr ändern: Sie hatten dem Lauf der Dinge ein Schnippchen schlagen wollen und servierten ihrem Chef in jüngster Zeit - heimlich - statt des geliebten Bohnenkaffee einen koffeinfreien, um sich Hansjörg Hausens Gesundheit und damit seine Arbeitskraft noch möglichst lange zu bewahren. . .
Bastian Pollmann (Rhein-Zeitung, 04.02.2002)


