Schüler des RWG werten Bundeswettbewerb aus
Von: P. Ostermann Aktualisiert: 17.06.2010 um 18:01
Die Arbeit in der Schule ist für Schüler nicht selten mühevoll. Aber umgekehrt selbst Schülerarbeiten zu bewerten - und zwar die Spitzeneinsendungen im internationalen Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung - ist ebenfalls nicht minder schwierig. Die Erfahrung, einmal auf der anderen Seite zu sitzen, machten jetzt vier Schülerinnen und ein Schüler des Rhein-Wied-Gymnasiums. Selbst Fachleute in Sachen Demokratie, als Mitglieder der AG Schüler helfen Schülern, arbeiten sie seit zwei Jahren erfolgreich im Modellprojekt Modellschulen für Partizipation und Demokratie in Rheinland-Pfalz.
Das gemeinsam von der Serviceagentur Ganztägig lernen Rheinland-Pfalz und der Koordinierungsstelle Demokratie lernen und leben in RLP im Pädagogischen Zentrum getragene Projekt unterstützt Schulen dabei Demokratielernen und demokratische Schulkultur als Qualitätsmerkmale guter Schule umzusetzen. Aus diesem Grund ist der auf diese Entwicklung aufmerksam gewordene Ulf Marwege, der Leiter des Bundeswettbewerbs, an das Gymnasium herangetreten.
In Begleitung eines Lehrers nahmen sie an dem dreitägigen Auswahlverfahren als Mitglieder der 42köpfigen Kommission im Arbeitnehmerzentrum Königswinter teil. Die Jury, alles gestandene Erwachsene aus dem Bildungsbereich, darunter aus Ministerien, der Schulaufsicht, aber auch Lehrer, sind zwar allesamt Fachleute für das Thema Bildung, ihnen fehlt aber das, was die Neuwieder mitbrachten: die Schülerperspektive, zumal der älteste Teilnehmer weit über 80 Lenze zählte.
Hier brachten sich Darja Brotzmann, Katharina Emmerich, David Görzen, Sabrina Herzog und Jasmin Maier ein.
Insgesamt gingen fast 2.300 Arbeiten bei der Bundeszentrale für politische Bildung ein.
Die Projektarbeiten kamen nicht nur aus dem Bundesgebiet, sondern auch aus Österreich und Belgien sowie von deutschen Auslandsschulen, 60 davon aus Rheinland-Pfalz. Themen des Wettbewerbs waren in diesem Jahr u. a. China, Computerspiele, Zeitreise in die DDR oder Vandalismus. Teilnehmer waren Schülergruppen der Klassenstufen fünf bis acht sowie acht bis elf. Einsendeschluss war der 1. Dezember.
Wie war die Erfahrung für die Schüler?
David Görzen gehörte der Gruppe an, die sich mit Computerspielen befasste: „Ich konnte mich auf jeden Fall einbringen, da ich auch selbst einige Arbeiten begutachtete und bewertete." In der anschließenden Auswertungsrunde sah sich der 18jährige als vollwertiges Jury-Mitglied.
Darja Brotzmann war in derselben Gruppe wie David. Allerdings war sie für die fünfte bis achte Klassenstufe zuständig. Sie zeigte sich beeindruckt von der großen Vielfalt der eingereichten Schülerarbeiten.
Jasmin Maier saß in der Kommission zum Thema Wahlen. Ihre Anregung, zukünftig Schülerinnen und Schüler bereits in die Formulierungen der Aufgabenstellung einzubeziehen, stieß beim Leiter des Jugendwettbewerbs Ulf Marwege auf offene Ohren. Die Aufgabenstellung war für die Schüler sehr eng gefasst, befand die ehemalige Schulsprecherin selbstbewusst, und ließ damit zu wenig Raum für Eigeninitiative zu.
Katharina Emmerich sagte: „Mir ist vor allem positiv aufgefallen, dass ich als vollwertiges Mitglied akzeptiert wurde. Es wurde nicht zwischen Schülern und Lehrern unterschieden. Mir gefiel die herzliche und humorvolle Atmosphäre." Ihr Thema Vandalismus hielt sie für sehr interessant, weil vor allen die außerschulische Initiative gefragt war. Unter anderem arbeiteten die Schüler mit Verkehrsbetrieben zusammen und starteten eigene Projekte.
„Mir ist in meiner Gruppe aufgefallen", fügt Sabrina Herzog an: „dass - trotz hitziger Diskussionen - doch sehr schnell eine Einigung gefunden wurde". Des Weiteren war sie beeindruckt von der Ausführung der gestellten Themen. So ging das Wochenende doch sehr rasch vorüber, was angesichts der Tagungslänge so nicht unbedingt absehbar war. Dabei trafen die Gymnasiasten auf einen alten Bekannten: der ehemalige Geschichtslehrer Jan Hendrik Winter ist in guter Erinnerung geblieben.
Doch wie wurden die Juniorjuroren von den erfahrenen und langjährigen Jurymitgliedern wahrgenommen?
Friedhelm Zöllner vom „Schul-TÜV"-Rheinland-Pfalz fand das abschließende Feedback der Schülerinnen wichtig, um künftig noch stärker die Eigenleistung der Schüler gewichten zu können.
Der Leiter des Schülerwettbewerbs Ulf Marwege wollte mit der Einladung nach Neuwied bewusst eine Zäsur setzen: „Ich halte es für wichtig, dass nicht nur Lehrer über Schüler nachdenken, sondern das auch diese ihre eigenen Bewertungen einbringen können. Die Bedeutung dieses Wettbewerbs für die Bundeszentrale ist, dass wir eine genaue Wiedergabe der Schülerarbeit haben, wir den Erkenntnisgewinn der Schüler genau absehen können." Drei Impulse seien es, die den besonderen Charakter des Wettbewerbs ausmachten: erstens soll Projektunterricht angeschoben und Schülerinnen und Schüler aktiviert werden. Außerdem will die Bundeszentrale gewisse Themen anschieben, die aktueller sind als das im Schulbuch der Fall sein kann. Generell ist bei diesem Schülerwettbewerb sicherlich bemerkenswert, dass die Zahl der 500 Preise im Verhältnis zu den Einsendungen sehr hoch ist.
Übrigens wurde mit der Ludwig-Erhard-Schule auch eine Neuwieder Einrichtung ausgezeichnet.
Und das Rhein-Wied-Gymnasium hat mehr als nur gewonnen: außer den Erfahrungen fließt eine Aufwandsentschädigung an die Schule. Das Geld ermöglicht den raschen Aufbau der so lang erwarteten Streitschlichtung, auf die schon lange mit zahlreichen Aktionen hingearbeitet und gespart wurde. Sie kann so die Entwicklung der demokratischen Schulkultur einen großen Schritt voranbringen.
,,Demokratie braucht Menschen, die sie leben.''
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