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Hartmut Richter als „sprechendes Geschichtsbuch“ am RWG

Anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Mauerfall besuchte der DDR-Oppositionelle Hartmut Richter auf Einladung des Geschichtslehrers Walter Sefrin das RWG. „Glauben Sie ja nicht, dass ich von Anfang an, zum Beispiel geprägt durch das Elternhaus, gegen die DDR eingestellt war“, machte er mit erhobenem Zeigefinger deutlich. „Nein, ich war als Schüler der EOS (erweiterte Oberschule) stolzer Jungpionier.“

Was aber brachte den Jugendlichen gegen seinen Staat auf? Nachdenklich sei er geworden als ihn der Pionierleiter ansprach, ihm die Schüler zu benennen, die Westfernsehen sahen. Richter wollte aber keine Mitschüler verpfeifen und lehnte ab, trat später auch nicht in die FDJ ein und flog, als er beim Westradio-Hören (RIAS) erwischt worden war, von der Schule.

Den Mauerbau 1961 hatte er in Wedding erlebt, wo er bei Verwandten zu Besuch war. Zurück gekommen zu seinen Eltern in die Nähe von Potsdam sei er nur mit Hilfe des Roten Kreuzes. Diese deprimierenden Eindrücke ließen in dem freiheitsliebenden Jungen erste Fluchtgedanken aufkommen. Nach einem ersten gescheiterten Fluchtversuch kam Richter noch glimpflich davon. Er habe Reue vorgetäuscht und sei deshalb nach U-Haft im Stasigefängnis Lindenstraße in Potsdam 1966 nur zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. „Ich wollte aber unter allen Umständen diesen Staat verlassen, der mir verweigerte, dort zu leben, wo ich wollte.“ Spannend wie ein Krimi war die Schilderung seines erneuten Fluchtversuchs durch den Teltowkanal, durch den Richter, trotz Bewachung durch die DDR-Grenztruppen, auf fast abenteuerliche Weise nach Westberlin gelangte.

Er fuhr danach einige Jahre zur See und profitierte von der Entspannungspolitik Anfang der 70er-Jahre. Per Amnestie wurden alle DDR-Bürger, die nicht mehr in DDR lebten, aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen. „Damit konnte ich als Westbürger wieder ohne Probleme in die DDR einreisen. Ich wollte denen helfen, die ebenso wie ich das Land verlassen wollten.“ Auf den Transitstrecken von und nach Westberlin habe man nun relativ sicher fahren können. „Was lag also näher, als Menschen, im Kofferraum versteckt, in den Westen zu bringen.“ Dieses Vorhaben endete allerdings im März 1975 mit seiner Verhaftung am Grenzübergang Drewitz, als Richter seine Schwester mit deren Freund in die Freiheit bringen wollte. „15 Jahre Freiheitsentzug wegen staatsfeindlichen Menschenhandels habe ich dafür bekommen, die Höchststrafe.“

Die Strafe musste er in Rummelsburg und Bautzen II absitzen. Auch in diesen Einrichtungen rebellierte Richter, trat mehrfach in den Hungerstreik, um gegen die Schikanen der „Schließer“ zu protestieren und auf die Missstände in DDR-Gefängnissen aufmerksam zu machen. Die Bundesrepublik kaufte den Häftling schließlich im Oktober 1980 frei.

Das war unheimlich interessant, ich habe mir das Leben in der DDR so nicht vorgestellt“, „solch lebendige Veranstaltungen müsste es häufiger geben, sie ersetzen manch trockenen Schulbuchunterricht.“ Zwei beispielhafte Meinungen von Schülern, die zeigen, wie man Jugendliche für geschichtliche Themen begeistern kann.

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