Partner

Belgische Austauschschüler zu Besuch am RWG

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Nutze die Zeit – das allseits berühmte Motto unserer Schule prägt nicht nur unseren eigenen Schulalltag, sondern auch das zwanzigjährige Jubiläum des Belgienaustauschs, das nun mit dem Besuch der Gastschüler unserer Partnerschule in Verviers in Belgien gefeiert wurde.
Dreißig belgische Schüler haben mit ihren deutschen Austauschpartnern vier Tage voll Spaß, interessanten Ausflügen und französisch-deutscher Kommunikation in Neuwied und am RWG verbracht.

Am Mittwoch, den 8. November, war es so weit: Um 17 Uhr konnten die RWG-Schüler ihre Gastgeschwister im Foyer in Empfang nehmen, die sie schon in der 8. Klasse durch Brief- und E-Mailkontakt kennen lernen konnten. Verstehen sich die Gastgeschwister gut, können sie jedes Jahr an beiden Besuchen teilnehmen. Oft treffen sich die Teilnehmer auch in den Ferien, was durch die geringe Entfernung zwischen Verviers und Neuwied kein Problem ist.


Schüler, die schon mehrmals am Austausch teilnahmen, begrüßten sich fröhlich auf die typisch belgische Art mit Küsschen rechts und links. Andere, die ihre Gastgeschwister nun zum ersten Mal sahen, waren nicht weniger erfreut und stellten sich gegenseitig den Freunden vor.
Erfüllt mit Vorfreude und Aufregung nahmen die Teilnehmer des Austauschs Arbeitsblätter von Frau König entgegen, die sie im Laufe des Abends mit ihren Austauschpartnern lösen sollten, und machten sich mit Koffern und Reisetaschen beladen auf den Weg in ihre Gastfamilie.


Das Abendprogramm war aber nicht nur geprägt vom Ausfüllen der Arbeitsblätter, in denen es um deutsche und französische Wörter zum Thema „Vulkan“ ging, sondern auch von Wiedersehensfeiern und Spieleabenden.
Die Lehrer geben sich jedes Mal sehr viel Mühe bei der Vermittlung der Schüler und achten zum Beispiel darauf, dass die Hobbies der beiden Gastgeschwister übereinstimmen. Sollte es dennoch zu einzelnen Missverständnissen kommen, bemühen sich die Lehrer beiderseits, zu vermitteln und die Probleme zu beseitigen. Die Ausflüge werden jedes Jahr von den betreuenden Lehrern geplant und sowohl abwechslungsreich als auch interessant gestaltet. So wurde im letzten Jahr das Haus der Geschichte in Bonn besucht oder auch Koblenz oder Cochem besichtigt.
Donnerstagmorgens ging es wieder zum RWG und von da aus mit Lunchpaketen gut ausgerüstet für einen Ganztagesausflug in die Vulkaneifel. Während der Busfahrt nach Plaidt-Saffig wurde gefrühstückt und Geschichten über die vorherigen Besuche an jüngere Teilnehmer weitergegeben.


Nach der Ankunft im Informationszentrum Rauscherpark sahen die Schüler und betreuenden Lehrer zunächst einen Film über die Entstehung der Vulkane in der Osteifel, die sich über Zehntausende von Jahren entwickelt und die Landschaft geformt haben. Ein besonderer Schwerpunkt lag hierbei beim Ausbruch des Laacher Sees vor 13.000 Jahren, der das größte Naturinferno in der jüngeren Geschichte Europas darstellt.
Beeindruckt teilten sich die Ausflügler in drei Gruppen, um das Museum Römerbergwerk mit einer französischen und zwei deutschen Führungen zu besichtigen. Auf dem Außengelände bewunderten die Schüler bei leichtem Sonnenschein riesige Felsblöcke, die von den Römern aus den Felswänden herausgehauen wurden, um aus dem feinen Basalt besonders gute Mühlsteine zu produzieren. In einen original altrömischen Wunschstein, in den eine Nische eingehauen war, konnte man seine Hände halten und sich etwas wünschen. Wenn der Geist im Stein gut gelaunt war, ging der Wunsch in Erfüllung, ansonsten musste man es noch einmal versuchen.


Im Gebäude des Informationszentrums konnte man verschiedene Arten von Mühlsteinen ansehen und der Museumsführer erklärte, wie die Römer den Basalt im Tagebau abgebaut haben und welchen Fehler ein Mühlstein haben konnte. Anschließend ging es mit dem Bus weiter nach Mendig, um die berühmten Lavakeller zu besichtigen.
Mendig ist auf einem Basaltabbaugebiet erbaut worden und daher 32 Meter unter der Erde auf einer Fläche von 200 Fußballfeldern unterkellert. Diese Keller wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein zur Produktion von Mühlsteinen verwendet und anschließend wegen der gleichbleibend kalten Temperatur von 8 Grad Celsius zur Bierlagerung genutzt.
Vor dem 150 Stufen langen Abstieg in die Tiefe wurde jeder Besucher mit einem gelben Schutzhelm ausgestattet, der seine Nützlichkeit unter Beweis stellte, indem er das Regenwasser, das von der sieben Meter hohen Decke tropfte, abhielt.
Die Gruppenführer zeigten den Besuchern eine ehemalige unterirdische Kapelle der Herrenhuter Brüdergemeinde, einige der unzähligen Schächte, die früher in die riesigen Hallen unterhalb von Mendig geführt haben und nun mit Schutt und Müll verschlossen sind, und ein Trauzimmer des Mendiger Standesamtes, verziert mit aktuellen Steinhauereien.


Die Austauschschüler zeigten sich beeindruckt, als sie erfuhren, dass einmal ein ganzer Jeep samt Insassen in so einen Schacht gefallen war und nie mehr wiedergefunden wurde. Einige wunderten sich, dass sie bei der reinsten Luft in ganz Rheinland-Pfalz Atemschwierigkeiten bekamen, andere fühlten sich durch eine Brücke und die hohen Hallen in den Kellern, die durch Säulen aus fehlerhaften Mühlsteinen gestützt wurden, an die unterirdische Zwergenstadt Moria in „Der Herr der Ringe“ erinnert, auch weil hier im Mittelalter etwa 1000 Menschen tagtäglich gearbeitet haben und nun sehr viele Fledermausarten ihr Winterquartier aufschlagen. Nach einer bewegenden Stunde in Kälte und Dunkelheit ging es in drei Etappen die enge Treppe hoch.
Anschließend gab es in Mayen eine Stunde Mittagspause, in der sich die hungrigen Schülergrüppchen auf die Suche nach Dönerläden machten und McDonalds plünderten. Hierbei wurden auch Fragen wie „Was ist Pizza Salami auf Französisch?“ geklärt und am Ende waren alle erfrischt für die Besichtigung der Genovevaburg.


Vom Goloturm aus genossen die Austauschteilnehmer die Sicht über ganz Mayen und betrachteten verwundert den gewundenen Kirchturm der St. Clement Kirche, der laut einer Sage vom Teufel persönlich verbogen wurde.
Zudem wurde den Schülern viel über das Leben im Mayen des Mittelalters mit Rittern und Kriegen, aber auch mit Märkten und Festen anhand von Bildern, Rüstungen und vielen anderen gestifteten Ausstellungsstücken erklärt.
Auf der Rückfahrt nach Neuwied stand ganz die Planung des Abends im Vordergrund. So trafen sich einige Austauschpartner zum Videoabend, bei dem ein französischer Film mit deutschen Untertiteln angeschaut wurde, andere gingen zum Eislaufen in die Neuwieder Eishalle.
Am Morgen des Freitags begann der Tag mit zwei Unterrichtsstunden, die alle gemeinsam besuchten.
Für die RWG-Schüler ging der Schultag bis zur 6. Stunde weiter, während die belgischen Austauschschüler die Firma Rasselstein in Andernach besichtigten.


Nach einer Kurzvorstellung des Unternehmens, das Weißblech bearbeitet, aus dem zum Beispiel Getränkedosen oder Konserven hergestellt werden, gingen die Schüler, abermals mit gelben Helmen ausgerüstet, in die riesigen Produktionshallen.
An der Tandemstraße bestaunten die Jugendlichen aus Verviers die mannsgroßen Blechrollen, die Coils genannt werden, und zeigten sich von den vollkommen elektronisch gesteuerten Transportwagen beeindruckt, die als Zebra oder Tiger bemalt, durch eine neue Halle fuhren. Eine riesige Veredelungsanlage mit Durchlaufofen, die über nur einen mit drei Mitarbeitern besetzten Kontrollraum bedient wird, stellte den Höhepunkt der Führung in französischer Sprache per Kopfhörer dar. Zum Abschluss bekamen die Schüler und Lehrer noch einen Imbiss, der aus einer Gulaschsuppe und Sandwichs bestand, bevor es mit dem überfüllten Linienbus zurück zum RWG ging.
Nach einer Stunde Freizeit, die die Gastgeschwister zusammen verbringen konnten, fand in der Aula unseres Gymnasiums eine Aufführung des Musicals „Das Gauklermärchen“ statt. Hierzu kamen nicht nur die Austauschteilnehmer, sondern auch einige frühere Initiatoren wie Herr Thran und Herr Schladt  sowie mehrere Eltern.
Der Aufbau des Musicals aus Chorgesang und Bandmusik wurde ergänzt durch französische Texte, die von Schülerinnen vorgelesen wurden, und einigen Szenen mit den Schauspielern. Nach einer Stunde voller Musik und Schauspiel erntete die Musicalgruppe, geleitet von Herrn Marker und Frau Ernst, viel Applaus vom begeisterten Publikum.
Nächster Programmpunkt war ein offizieller Empfang durch den Oberbürgermeister der Stadt Neuwied, Nikolaus Roth, in der Galerie Mennonitenkirche. Gefeiert wurden zwanzig Jahre Schüleraustausch, also die langzeitige Begegnung zwischen zwei Schulen, zwei Kulturen und Sprachen, aber auch zwischen einigen hundert Jugendlichen, die zum einen ihre Sprachkenntnisse erweitern, zum anderen aber vor allem auch internationale Kontakte knüpfen konnten, aus denen viele feste Freundschaften entstanden sind.


Die Schüler versammelten sich im oberen Teil des Saals, während unten die Lehrer und Organisatoren der Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters lauschten. Dabei waren auch die Gründungsmitglieder, René Löcher auf belgischer Seite sowie Hanspeter Schladt und Manfred Trahn seitens des RWG anwesend.
Volker Bergen, ein Schüler des RWG, begleitete den Abend mit Klaviermusik. Anschließend erklärte Herr Graß, das ein Schüleraustausch eigentlich praktizierte Weltoffenheit und Toleranz zwischen zwei unterschiedlichen Ländern bedeutet.


Der Direktor des Instituts Notre Dame in Verviers, der extra für diesen Anlass hierher nach Neuwied gereist war, verglich den Schüleraustausch zwischen Belgien und Deutschland mit einem Webteppich, der immer weiter gewebt werde, und überreichte Herrn Graß für unsere Schule einen Webrahmen als dauerhaftes Symbol für die Schulpartnerschaft.
Nachdem Herr Roth die Besonderheiten der Stadt Neuwied in Bezug auf Freiheit und Gastfreundlichkeit dargelegt hatte, überreichte er beiden Direktoren für ihre Schulbibliothek eine Büchersammlung über die Stadt Neuwied.
Der Samstag stand den Gastfamilien zur freien Verfügung und so wurden Ausflüge nach Koblenz ans Deutsche Eck oder auch eine Stadtbesichtigung in Neuwied unternommen.
Am Nachmittag fanden sich alle Schüler, Lehrer und Eltern wieder im Foyer des RWG ein, um sich zu verabschieden. Herr Graß hielt eine kurze Rede, bevor sich alle am Kuchenbüffet bedienten und bei Orangensaft und Kaffee letzte Gespräche führten. Gegen halb fünf Uhr hieß es dann endgültig Abschied nehmen und die belgischen Gastschüler machten sich mit dem Bus wieder auf die Heimreise in das 160 Kilometer entfernte Verviers. Jetzt fiebern alle schon dem Gegenbesuch der RWG-Schüler entgegen, der im nächsten Frühjahr statt finden soll.

siehe auch:


Weitere Artikel

20-jähriges Jubiläum IND - RWG - Nachlese

18.11.2006
Als am Samstagnachmittag der Bus aus Verviers wieder in Richtung Heimat rollte, schienen seine Insassen noch ein wenig reicher an Eindrücken zu sein als es wohl sonst der Fall ist. Dies lag nicht zuletzt an dem abwechslungsreichen Programm, das wir...

20 Jahre Schulpartnerschaft

18.11.2006
Das RWG und das belgische Institut Notre Dame aus Verviers (Wallonien) feiern 20jährige SchulpartnerschaftDas Geburtstagsgeschenk aus Verviers, der einstigen Wollmetropole Belgiens, hat Symbolcharakter: die gewebte Fibel steht für den...

20 Jahre Schüleraustausch mit Belgien

08.11.2006
1986 . . .im Mai besuchte eine Gruppe von fünfzehn belgischen Schülern des (Heusy - Verviers) zusammen mit ihren Lehrern das Rhein-Wied-Gymnasium. – Auftakt zu einer lebendigen Begegnung, die sich in diesem Jahr zum 20. Male jährt. Es gab...

Partnerschule in Verviers/Belgien

26.02.2004
Die belgische Austauschschule Institut Notre Dame liegt in Verviers - Heusy. Die Schüler des RWG Neuwied besuchen dort im Frühjahr das Institut Notre Dame, die belgischen Schüler im Herbst das RWG. Der Austausch wird seit 1986 von den Lehrern...