Die Tücken der Forschung
Von: Admin Erstellt am Mittwoch, 11. Februar 2004 um 20:43
Professor Dr. Feurle redet vor Oberstufenschülern offen über das Thema "Forschung als Beruf".
Sie ist ohne Frage eines der Schlagwörter dieser Tage: die Elite-Uni. Untrennbar damit verbunden ist die Person des Forschers. Prof. Dr. Feurle gab jetzt interessierten Schülern einer ersten Einblick in die universitäre Karriere.
In einem lebhaften Beitrag beschränkte er sich dabei nicht auf das trockene Durchbuchstabieren der wissenschaftlichen Karriereleiter.
NEUWIED. Professor Dr. Gerhard Feurle weiß, wie man Menschen begeistert. Lässig steht er vor den rund-sechzig Oberstufenschülern in der Bibliothek des Rhein-Wied-Gymnasiums und erzählt in seinem Vortrag "Forschung als Beruf" humorvolle Anekdoten von seinen seltsamen Kollegen, den deutschen "Streberunis" und dem so genannten "Impact" verschiedener Fachzeitschriften. Ein trockenes Sujet, ansprechend verpackt - so lässt sich Feur-les gut einstündiges Referat wohl am trefflichsten umschreiben.
Schließlich ist das Vorstellen der akademischen Laufbahn und allem, was dazu gehört, nicht unbedingt das dringendste Thema für Zwölffklässler. Dies zeigte sich in der überschaubar zu nennenden Anzahl der Nachfragen im Anschluss an den Vortrag. Trotzdem: Es gelang dem Professor, den Schülern des Rhein-Wied- und des Wemer-Heisenberg-Gymnasiums einen ersten Einblick in die universitäre Karriere zu bieten, ohne sich allein auf das trockene Durchbuchstabieren der wissenschaftlichen Karriereleiter zu beschränken.
Zwar lernten die Jugendlichen (sie sprach Feurle mit einem kollegial-kumpelhaften "Ihr" an), wie man habilitieren kann oder dass sich die Bedeutung eines Wissenschaftlers besonders darin zeige, wie oft er zitiert wird. Letztendlich waren all diese Informationen allerdings nur eine Aufwärmphase für das, was Gerhard Feurle wirklich am Herzen lag: Dem Nachwuchs zu erzählen, wie der Hase - zumindest in den naturwissenschaftlichen Disziplinen - wirklich läuft. "Es reicht eben nicht mehr, die nächstbeste Universität zu wählen, nur damit man in der Nähe von Mama und Papa wohnt," unterstrich der eloquente Mediziner. Stattdessen stellte er eine Rangliste deutscher Hochschulen vor,die besonders auf dem Gebiet der Medizin internationalen Vergleichen Stand halten können.
Allerdings werde an diesen Bastionen des Wissens mit harten Bandagen gekämpft, wie der Professor offen zugab:
"Im universitären Alltag herrscht oft eine ausgesprochene Ellbogenmentalität, so etwas werdet ihr heutzutage aber überall finden", betonte er. Feurle beschönigte nicht, vielmehr sprach er offen und ehrlich davon, worauf sich die "Intelligenzija" von morgen gefasst machen müsse. "Ihr seid oft frustriert, werdet auf einen Großteil eurer Freizeit verzichten und intensiv arbeiten müssen", so seine mahnenden Worte. Trotzdem gelang dem Akademiker stets der Spagat zwischen Schonungslosigkeit und Ermutigung,
Selbst die schwierigen Umstände, mit denen Forscherinnen sich auseinandersetzen müssen, scheinen für Feurle zwar hart, aber nicht unlösbar: "Frauen müssen wegen ihrer Kinder oft zwei bis drei Jahre aus der Forschung ausscheiden. Eine lange Zeit, die Wissenschaftlerinnen ein Mitmischen in der Weltspitze leider er schwert. " Eine solche Hürde könne man durch Tagesstät-ten oder eine Aufteilung der Kindererziehung jedoch meistern, wie der Professor meint.
Eine Aussage, die Feurles Credo recht gut auf den Punkt bringt: "Man soll sich von den Schwierigkeiten des Berufs Forscher nicht abschrecken lassen, schließlich brauche unser Land mehr denn je die klugen Köpfe."
Am Ende eines spannenden und sehr ehrlichen Vertrags stimmt Feurle schließlich versöhnliche Töne an:
"Der Lohn von alldem ist, dass ihr in der wissenschaftlichen Welt angesehen und wer kann das wissen durch eure Arbeit vielleicht auch unsterblich werdet,"
Peter Bongard (Rhein-Zeitung, 03.02.2004)


