"Angesichts der zunehmenden
Bedeutung von Arbeit, Wirtschaft und Technik und der immer schwerer zu durchschauenden
Zusammenhänge in der Berufs- und Arbeitswelt kommt es immer mehr darauf an,
dass alle Schultypen ihren Schülern Orientierungen bieten und
sie in die Lage versetzen, Berufschancen realistisch erkennen und wahrnehmen zu
können. Gleichermaßen gilt dies für eine berufliche Ausbildung
und für die Studienorientierung mit sich daran anschließender beruflicher
Tätigkeit.
Deshalb müssen auch Gymnasien ein eigenständiges Profil im Unterrichtsbereich
Arbeit, Wirtschaft und Technik entwickeln. Nur so können konkrete Vorstellungen
von Anforderungsprofilen der Berufe sowie ihre Abhängigkeit von technischen
Innovationen und wirtschaftlichen Entwicklungen gewonnen werden: Maßnahmen
wie Betriebserkundungen, Projekttage, Expertengespräche und Praktika sind
geeignete Formen, die stärker genutzt werden müssen." (Zitat Forderung
der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft)
Bewusst beginnen wir sehr früh damit, unsere Schülerinnen und Schüler auf das Thema Berufswelt aufmerksam zu machen.
Als wir vor 10 Jahren ein14-tägiges
Berufs- und Sozialpraktikum in Klasse 9 eingeführt haben, waren wir —
Eltern und Lehrerinnen und Lehrer — über den Zeitpunkt eines solchen
Berufs- und Sozialpraktikums nicht unbedingt einer Meinung. Heute nach 9 Jahren
Praktikumserfahrung ist die Akzeptanz eines so frühen Einstiegs bei Schülern,
Eltern und Lehrern erfreulich hoch, Vorteile überwiegen die Nachteile.
Primäres Ziel für die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen ist es weniger durch ein Praktikum den endgültigen Beruf zu finden, als vielmehr aus der künstlichen Welt der Schule auszubrechen und konkreten Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt zu nehmen und deren Unterschiede zu erfahren.
Dies schließt nicht
aus, dass Schüler auch schon jetzt in Bereichen tätig werden, der
ihren (jetzigen) späteren Berufsvorstellungen entsprechen. Hier kann ein
Praktikum zu einem Realitätsgewinn beitragen, der sich aus der Konfrontation
zwischen den Idealvorstellungen und der Praxis der Berufswelt ergibt. Durch
die intensive Beschäftigung mit dem Thema Berufswahl soll der Schüler
darüber hinaus dazu angeregt werden, mehr über seine Eigenschaften,
Fähigkeiten und Interessen, aber auch über seine Schwächen und
Defizite zu erfahren, um so, jetzt oder später, gezielt Entscheidungen
treffen zu können.
Gespräche mit Praktikanten zeigen, dass bei einem Teil der Praktikanten von dem Betriebspraktikum durchaus auch eine verstärkte Motivation für schulisches Lernen ausgeht. Schülerinnen und Schüler sind häufig überrascht, welche Anforderungen die Berufswelt an Auszubildende stellt und sehen den Aufwand, den sie für ihre Schulausbildung betreiben müssen in anderem Licht. Ein Praktikum zu einem so frühen Zeitpunkt kann aber auch eine wichtige Entscheidungshilfe für die Schullaufbahn sein, stehen doch in Klasse 10 wichtige Entscheidungen an: Einmal muß die grundsätzliche Frage entschieden werden, ob sich der (die) Schüler(in) nach Klasse 10 neu orientieren oder in die Gymnasiale Oberstufe eintreten will. Entscheidet sich der (die) Schüler/in für die Gymnasiale Oberstufe, so kommt der richtigen Fächerwahl große Bedeutung zu.
Hat der (die) Schüler(in) schon ein grobes Berufs- oder Studienziel, so sollte dies bei der Fächerwahl berücksichtigt werden! Wenn es durch unsere Bemühungen in der Mittelstufe gelingt, Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren, dass es in der heutigen Zeit mehr denn je notwendig ist, sich schon während der Schulzeit mit der Berufswelt auseinanderzusetzen, dann stehen die Chancen gut, dass Oberstufenschüler verstärkt eigeninitiativ werden und das schulische Angebot bzw. die Angebote des Berufsinformationszentrums BIZ verstärkt nutzen.Ein weiteres (Ferien)praktikum sollte dann ebenso selbstverständlich sein, wie die gezielte Nutzung der angebotenen Hilfestellungen.
Neben dem obligatorischen Berufswahlunterricht in Jahrgangsstufe 12 bietet das Rhein-Wied-Gymnasium eine Fülle von Möglichkeiten, sich umfassend zu informieren, wirbt für die Teilnahme an Hochschulinformationstagen, Schnupperstudientagen, Tagen der offenen Tür bei vielen Schulen, Fachhochschulen und Universitäten (oft in der unterrichtsfreien Zeit!!) und organisiert die Teilnahme. Ferner ermöglicht sie den Schülern/innen Eignungstests durchzuführen und bietet ein Bewerbungstraining an.